Endlich.

Für alle die, die in den letzten Wochen mit mir zusammen die Luft angehalten haben: Ihr könnt wieder durchatmen. Das BAföG Darlehen ist endlich durch, ich hab das Geld für den ersten Lehrgang erhalten und muss nun nicht mehr bangen, den Kurs doch nicht machen zu dürfen!

Seit anderthalb Wochen läuft der erste Kurs, Meisterprüfungs-Vorbereitungslehrgang Teil III Wirtschaft und Recht, nun schon und ich bin sehr zufrieden. Auch wenn das ganz schön trockener Stoff ist, macht es sehr viel Spaß, die anderen Meisterschüler sind alle sehr nett und lustig drauf und man kann sich einfach aufs Lernen konzentrieren, weil alle freiwillig da sind und alle das durchziehen wollen. Das absolute Gegenteil vom Unterricht in der Berufsschule.

Ich bin immernoch total aufgeregt wenn ich morgens aufstehe, vielleicht weil ich gar nicht so richtig glauben kann, was ich hier eigentlich grade mache. Es tut so gut zu wissen, dass so viele Leute hinter mir stehen und daran glauben was ich vorhabe, dass meine Freunde mir den Rücken frei halten wenn mal jemand gegen mich wettert, weil er meint ich wäre zu faul zum Arbeiten und/oder will nur dem Staat auf der Tasche liegen. Mit euch hinter mir habe ich einfach jeden Tag das Gefühl, das Richtige zu tun. Ihr seid klasse!

Also, für den Wirtschafts-/Rechtsteil habe ich jetzt noch etwa fünfeinhalb Wochen Unterricht und direkt im Anschluss kommt auch gleich die erste Prüfung dazu. Angst davor hab ich eigentlich keine. Ich will das unbedingt durchziehen und anders als bei der Ausbildung will mir das auch keiner ernsthaft vermiesen. In den ersten anderthalb Wochen haben wir schon so viel Wissen reingeprügelt bekommen und ich weiß, dass da noch eine ganze Menge auf uns zu kommt, aber dank euch glaube ich endlich wieder an mich und weiß, dass ich das ohne Probleme schaffen kann.

Der eine oder andere wartet wahrscheinlich noch auf die Bilder aus Holland, aber ich denke ihr habt Verständnis dafür, wenn ich sage, dass ich das noch ein bisschen verschieben will. Ich versuche jeden Abend den Stoff des Vortages noch einmal durchzugehen, will als Ausgleich wieder mindestens zweimal die Woche zum Training gehen und dann ist da noch ein anderes „kleines“ geheimes Projekt zum Thema Softball, an dem mir sehr viel liegt, über das ich aber gerade noch nichts verraten möchte. Ich denke zu den Herbstferien gibt es dazu die erste Ankündigung. Ihr dürft gespannt sein.

Nichtsdestotrotz will ich versuchen, wieder öfters zu bloggen – ich weiß, das sag ich ja immer – aber hier ist grade echt viel Action. Verzeiht mir, und bleibt dran!

So fühlt sich also „Zu Hause“ an

Für uns Deutsche ist die Küche ein Heiligtum. Ich glaube, die meiste Zeit unseres Tages verbringen wir dort, und das nicht nur zum Essen und Kochen. Eine Küche ist das Herzstück einer Wohnung. Ohne Küche ist es kein Zu Hause. Dass ich das erste und letzte Mal eine „richtige“ Küche hatte, ist nun schon eine Weile her – heute so ziemlich genau sechs Jahre. Das war in Bochum, dort war einfach ein Teil des Wohnzimmers abgetrennt und mit einem schönen Rundbogen versehen worden. Aber so richtig wohl gefühlt habe ich mich dort nicht: Schon kurz nach dem Einzug ging die Spülmaschine kaputt, die mir vom Vermieter gestellt worden war, und sie war zu alt, um sie noch günstig reparieren zu lassen. Die Ecke hinter dem Rundbogen war zwar perfekt für eine Sitzecke, aber irgendwie war es trotzdem immer zu eng. Außerdem waren die Schränke grün und die Küche hatte keine Tür, so dass jegliche Essensgerüche sich auch im Wohnzimmer breit machten. Eine richtige „Zu-Hause-Küche“ hatte ich seit meiner ersten eigenen Wohnung also nicht. Dort hatte ich übrigens eine kaputte Waschmaschine und einen einzelnen Unterschrank, die mir zusammen als Arbeitsfläche dienten, einen Herd und einen umfunktionierten Umzugskarton, in dem ich meine Kartoffeln lagerte.

Nachdem ich nun die letzten zwölf Jahre auf der Suche nach einem richtigen Zu Hause einmal quer durch Deutschland und wieder zurück nach Berlin gezogen bin, habe ich mich nun im Februar letzten Jahres in dieser süßen 2-Zimmer-Altbau-Wohnung nieder gelassen und beschlossen: Egal was jetzt kommt, egal was in den nächsten zwei, fünf oder zehn Jahren passiert: Hier mach ich es mir gemütlich, das hier wird ein richtiges Zu Hause, unser richtiges Zu Hause. Immer hatte ich Angst, zu viel zu machen, zu sesshaft zu werden, weil ich nicht wusste, was kommt und ob mich das Aufgeben der aktuellen Wohnung nicht zu viel kosten würde: Zu viel Geld, zu viel Arbeit, zu viel Schmerz, Dingen Lebewohl zu sagen, die mir in dieser Wohnung wichtig geworden waren. Den Höhepunkt dieser Angst und dieses Schmerzes erlebte ich 2012, als ich ein Jahr lang in einer traumhaften Wohnung wohnte, von der ich gleich zu Beginn dieses Jahres wusste, dass es niemals mein Zu Hause werden würde. Und so habe ich in dieser Wohnung nichts gemacht: Die Wände waren nicht oder nur teilweise tapeziert, die Zimmer nur mit dem Allernötigsten eingerichtet, das meiste meines Besitzes lagerte die ganze Zeit in Umzugskartons und wurde nie ausgepackt. Es war eine wunderschöne Wohnung in einer noch schöneren Nachbarschaft und dort fand ich die wohl beste Freundin, die man sich vorstellen kann, aber mir war von Anfang an klar, dass ich daran nicht festhalten darf, weil es nicht so bleiben würde.

Aber nun zurück zum eigentlichen Grund dieses Eintrages: Das Küche als Herzstück von „Zu Hause“.

Als ich hier eingezogen bin, gab es zwei hässliche Hängeschränke, einen Spülenschrank, einen Gasherd und eine Arbeitsplatte. Kombiniert mit einem Flurgarderobenschrank, einer Schlafzimmerkommode, meinem heiß geliebten Esszimmertisch mit vier Stühlen, Kühlschrank, Waschmaschine und später endlich der lang ersehnten Spülmaschine, war das bis vor kurzem meine Küche.

Und es wäre wohl auch noch eine ganze Weile so geblieben, denn mal eben eine so große Einbauküche zu finanzieren, war einfach nicht drin. Doch dann passierte das Unglaubliche: Eine gute Freundin rief mich an und erzählte mir, dass ihre Nachbarin ins Altersheim ziehen würde und eine Küche zu verschenken hat. Und ob ich denn Interesse hätte. Natürlich hatte ich! Ein paar Tage später konnten wir die Küche auch schon abholen, und auch wenn ich erstmal absolutes Chaos in der ganzen Wohnung hatte, war ich der wohl glücklichste Mensch auf Erden, denn die Küche ist wirklich richtig schön.

Zuerst haben wir den hässlichen Raum unter der Arbeitsplatte mit dem Flurgarderobenschrank gefüllt. Die Katze musste mit ihrem Fressnapf umziehen, aber wir haben mittlerweile ein schönes Plätzchen im Flur gefunden, wo sie in Zukunft dinieren kann. Die Unterschränke hat mein bester Mann der Welt noch am selben Abend aufgestellt und ausgerichtet – ich war schon voll und ganz mit der Planung beschäftigt, was von meinem Kram in welchem Schrank landet.

Obwohl die Hängeschränke noch nicht hingen, hab ich mich dann schonmal eingerichtet. Bis wir die Schränke aufhängen konnten, hat es noch eine Weile gedauert. aber als sie dann endlich hingen, gab es nur noch einen Schritt zu tun: Die Lücke zwischen dem Flurgarderobenschrank und dem Herd musste weg, damit unter die Gastherme noch der letzte Unterschrank passt. Also wurde letztes Wochenende die alte Arbeitsplatte ein Stück gekürzt, der Herd ein Stück verschoben und der letzte Unterschrank platziert.

Ich gebe zu: Das ist nicht ganz die Küche, die ich mir vorgestellt habe, aber ich bin überglücklich, sie zu haben. So unglaublich viel Platz! Jetzt fehlt meiner Küche nur noch ein schöner Boden, ich hab auch schon einen ausgesucht, und sobald der drin ist werd ich euch auch von der letzten Etappe berichten.

<3

mein Gesellenstück

Am Anfang der Ausbildung war ich sicher, ich würde eine große Stehlampe im japanischen Stil mit Reispapier und einem kleinen Schränkchen als Unterbau bauen. Während der Halbzeit wollte ich dann doch lieber eine Kommode für den Flur bauen. Als es dann tatsächlich in die Planung ging war klar: Ich brauchte einen großen Schreibtisch.

Der erste Entwurf, ein Schreibtisch, der optisch an eine Hobelbank erinnert, war eigentlich für meinen Geschmack schon perfekt, aber mein Ausbildungsmeister machte mir einen Strich durch die Rechnung: Es war ihm zu kompliziert.

Zweiter Entwurf

Auch den zweiten Entwurf musste ich groß verteidigen und ich konnte ihn dann auch nur mit Müh und Not und einigen Kompromissen durchsetzen. Ich bin heute immernoch davon überzeugt, wenn man mich ein bisschen mehr in der Entwurfsphase unterstützt hätte und nicht gleich zu allem ’nein‘ gesagt hätte statt gemeinsam eine Lösung zu suchen, dann hätte ich den Tisch nach meinen Wünschen in Vollholz gebaut, hätte weniger Zeitdruck gehabt, weniger Geld ausgegeben und letzendlich ein besseres Resultat gehabt. Ich bin natürlich trotzdem stolz auf das Ergebnis.

Entwurfszeichnung

Ich bin froh, dass ich die Entwurfszeichnung und später auch die Fertigungszeichnungen zu Hause am Computer zeichnen durfte. Zusammen mit meinen „Kolleginnen“, die ja schon lange nicht mehr als solche agiert hatten, in einem kleinen Raum im Keller? Ich glaub ich wär durch gedreht.

Die ersten Wochen saß ich also eigentlich nur zu Hause am Computer, das war ziemlich entspannt und ich konnte mich voll austoben, aber vor allem konnte ich meine Zeit einteilen wie ich wollte, die einzige Bedingung war, zwischendurch Emails als Fortschrittsanzeige zu senden und rechtzeitig kurz vorm Abgabetermin fertig zu sein. Wenn die Ausbildungsmeister dann nochmal anständig auf die Zeichnungen geschaut hätten, hätten sie vielleicht die kleinen Unmachbarkeiten entdeckt, die mir dann zum Ende hin die Zeit geraubt haben :/

Verbindungsmittel

Die erste Unmachbarkeit hat sich zum Glück schon während der Entwurfsphase bemerkbar gemacht. Als Plattenmöbel in dieser Konstruktion, ohne stüztendes Brett an der Hinterseite, ist der Schreibtisch definitiv nicht transportfähig. Er würde beim Hochheben einfach zwischen den beiden Elementen zusammenklappen. Also musste ich auf den Ikea-Standard zurück greifen und den Schreibtisch so konstruieren, dass man ihn – theoretisch – beliebig oft ab- und wieder aufbauen kann. Da ich die verfügbaren Verbindungsmittel eigentlich tatsächlich nur von Ikea kannte, konnte ich mich erst gar nicht entscheiden, welche für meinen Zweck nun am Besten geeignet wären. Die unteren, die ja bei Ikea-Möbeln meistens vorkommen, schienen mir zu klein und zierlich für meine dicken Platten, die mittleren haben in mir überhaupt kein Vertrauen geweckt. So hab ich mich dann für die oberen entschieden, die ihren Zweck auch wunderbar erfüllen.

Holz bestellt

Die nächste Aufgabe war dann, das Holz auszusuchen. Die Holzarten standen schon seit unserem Besuch beim Holzhändler im ersten Lehrjahr fest. Amaranth ist die schönste Holzart, die ich je gesehen habe, und ich glaube, der Schreibtisch war auch nicht das letzte Teil, bei dem ich diese Holzart verwendet habe. Im Rohzustand sieht es noch relativ unspektakulär aus, eher wie Nussbaum oder Kirsche. Erst geschliffen und nach einiger Zeit an der Luft entwickelt sich die wunderschöne Farbe.

Als das Holz dann endlich in die Werkstatt geliefert wurde, konnte es losgehen. Ich hab zwischendurch Rotz und Wasser geheult und trotz Süßigkeitenvorrat für 15 Jahre 5 Kilo abgenommen.

Kurz vorm Abgabetermin kamen dann noch einige größere Probleme auf mich zu. Die Schrauben der Bänder brachen im harten Amaranth einfach durch, das Schloss saß nicht mittig und wollte sich partout nich schließen lassen. Das hat natürlich ’ne Menge Zeit geraubt. Der Puffer für den Kabelkanal war aufgebraucht und ich musste den Schreibtisch ohne den Kanal abgeben. Eine 3 gab’s trotzdem – und den Kabelkanal hab ich dann nachträglich während meines Resturlaubs eingebaut.

Abtransport

Dann wurde alles für den Transport fertig gemacht…

… und zu Hause – endlich – aufgebaut!"PAULA" ist zu Hause!

Das wäre alles vielleicht einfacher gewesen, wenn ich doch irgendwo anders meine Ausbildung zu Ende gemacht hätte, oder wenn ich nicht nebenbei hätte eine Wohnung suchen und umziehen müssen, oder oder oder… aber ich bin wie schon gesagt zufrieden und stolz auf das Ergebnis. Beim nächsten Mal würde ich ’ne Menge anders machen, aber ein nächstes Mal wird es wohl nicht geben – denn ich hab bestanden ;)

Wer ganz doll neugierig ist, kann sich hier noch meine Entwurfsmappe ansehen. (PDF-Reader benötigt)

.getischlert

Da ich im Moment leider keine anständige Tischlerwerkstatt unterm Hintern hab, kann ich hier auch leider noch keine meiner tollen neuen Ideen veröffentlichen. Vorrang hat auch erstmal eh die Wohnung, da fehlt noch einiges, aber da werd ich bestimmt auch das ein oder andere Stück selber bauen. Also schön neugierig bleiben ;)

Aber gar nicht gebaut hab ich ja nun auch nicht, deshalb stell ich hier erstmal die Sachen ein, die ich so vor und während der Ausbildung zusammengebastelt hab.

Bei der GfA (die gibt’s jetzt wohl nicht mehr) „durfte“ ich während einer Arbeitslosenstatisitikbereinigungsmaßnahme im Teilprojekt Holz eine Gartenbank für den Außenbereich vom Jugendamt Neukölln bauen. Nachdem ich die Vorplanung von einem anderen Teilnehmer (der glaub ich raus geflogen ist) übernommen habe, habe ich den Rest unter Anleitung komplett selbst entworfen, gebaut und gebeizt. Hat Spaß gemacht und spätestens danach war klar, in welche Richtung meine Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz gehen sollten.

Balkonregal

Auch bei der GfA habe ich dieses Regal restauriert und ein wenig umgestaltet, das hoffentlich irgendwann noch den Weg in die Schweiz zu meiner Mama findet. Leider hab ich kein Vorher-Foto :(

Kurz danach ging es dann ja auch schon in die Ausbildung. Nach etlichen Arbeitsproben und Rahmenecken und Kästen, die nie einem Zweck zugeführt wurden, habe ich dann ein paar Kleinmöbel gebaut und ansonsten eigentlich nur Sachen repariert. Davon gibt’s leider auch nur Fotos, wie sie fertig aussehen. Während der Arbeit ständig mit dem Handy rumzufuchteln war halt nicht gern gesehen :D

Mein erstes richtiges Möbelstück war ein kleiner Hängeschrank, den Paula für ihre Spielküche bekommen soll. Der ist leider wie so viele andere Dinge noch nicht ganz fertig, und deshalb gibts davon auch noch keine Fotos. Danach brauchten wir irgendwann mal auch eine Werkzeugkiste für die ganzen Hammer und Sägen und Stecheisen. Da kam dann der Moment, wo ich mich den Regeln widersetzt und den Ablauf doch mit der Handykamera fest gehalten hab. Hat irgendwie trotzdem keinen gestört. Auf die Werkzeugkiste bin ich sehr stolz, sie ist wirklich hübsch geworden und hat jetzt einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer. Sie wird halt nur nicht als Werkzeugkiste genutzt, eher als Beistelltischchen. Aber egaaaaal :D

Danach war ich ja ’ne Weile in der Tischlerei Schneider, wo ich eigentlich kaum was selber bauen durfte. Als ich dann aber wieder bei LiSA e.V. war, gings eigentlich direkt weiter, Prüfungsvorbereitung, und kurz bevor es mit dem Gesellenstück los ging, hab ich dann noch „schnell“ ein Schubladenelement in Nussbaum als Ablagefläche im Flur gebaut. Das Ding hab ich aber nicht selber behalten, vielmehr hab ich mir damit ein Wochenende in meiner Lieblingsstadt Barcelona finanziert :)

Ja, danach kam nur noch ackern für die Prüfung und das Gesellenstück… das dann in ’nem neuen Beitrag ;)

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