Kategorie: public privacy

Huch. Urlaub im Aargau und plötzlicht ist man wieder 5 Jahre jünger und alles ist genauso wie damals und es fühlt sich genauso an. Ich hatte einen wunderschönen Tag. Davon gibt es keine Fotos, weil ich durch eine Fügung den Akku im Ladegerät vergessen habe. So bin ich nun gezwungen, die Bilder dieses wundervollen Tages im Herzen zu behalten. Und das werd ich… auf ewig. ♥

Die letzten 12 Stunden vor der Abfahrt in die Schweiz brechen gleich an, genau genommen in genau 11 Minuten. Und ich bin so aufgeregt, dass ich keine Ahnung hab, was ich wirklich alles noch machen muss und vor allem wo ich anfangen soll! Deshalb hier jetzt ‘ne Todo, ich weiß, sowas geht auch mit Zettel und Stift, aber ich will euch ja auch Teil haben lassen ♥

Zettel für meine Schwester schreiben, was sie alles für Jule machen muss & die Blumen nicht vergessen! 19:47
Klamotten für morgen raus legen 20:07
vorm Schlafen noch irgendwas essen 22:08
Wichtige Briefe raus suchen und beantworten 22:30
Rechnungen bezahlen 23:14
Foto von Paula einstecken 23:16
Notizbuch suchen und einpacken!! Und ‘nen Stift. 23:39
Ticket einstecken 23:45
Wecker stellen 23:46
meiner Schwester das Passwort für den PC geben und die Nummer von Ravii auch 23:48
Paulas Koffer kontrollieren (Wo ist die Liste hin?) 23:51
Futter etc. für Jule bereit legen (am Besten neben den Zettel für meine Schwester) 00:21
Ladegeräte für Nintendo DS, Handy und iPod einpacken 05:30
Meinen Koffer packen
Kosmetikbeutel packen (und in den Koffer packen)
Handgepäck packen aufn letzten Drücker
nicht so viel rauchen
wenigstens ein bisschen aufräumen
Zwischendurch atmen und trinken.

Eigentlich hatten wir doch alles, was wir brauchten. Ein Dach über dem Kopf, ein kleines vielleicht, vor allem über der Küche, aber damit hätten wir uns doch irgendwie arrangieren können. Wir hatten die besten Nachbarn der Welt, den Opa um die Ecke und unsere Freunde in der Nähe. Wir hatten Zeit für uns, wir hatten Freizeit. Wir hatten immer genug zu essen, auch wenn’s mal drei Tage nur Nudeln waren. Hat uns doch nicht gestört, wir lieben Nudeln!

Jeder von uns hatte sein eigenes kleines Reich, in das er sich zurück ziehen konnte, wenn er mal seine Ruhe wollte. Dass ich mein Reich auch mal mit Paula teilen musste, gehörte eben dazu.

Und jetzt? Außer einem Dach über den Kopf, das wir uns nicht einmal leisten können, ist uns nichts davon geblieben.

Und der Fehler war nicht, nach einem Jahr “hat doch funktioniert” mit Martin zusammen zu ziehen. Der Fehler war, eine Entscheidung, die mit gutem Gewissen getroffen wurde, wieder rückgängig zu machen. Wieder eine Beziehung mit Martin zu beginnen, es nochmal “zu versuchen”. Es gab genug Zeichen, dass es nicht wirklich funktioniert, aber die habe ich einfach ignoriert. Weil alles so leicht schien, weil es mich glücklich machte, so sehr geliebt zu werden, nicht nur von ihm, sondern auch von seiner Familie. Und weil ich gehofft habe, dass sich etwas geändert hat. Hat es aber nicht. Natürlich habe ich ihn auch geliebt. Aber das reichte einfach nicht. Eine Beziehung funktioniert nicht einfach, weil man sich liebt.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich wirklich in der Lage war, das hier so aufzuschreiben. Ich hab in den letzten Wochen mehrmals versucht, diese dunkle Ecke in meinem Kopf endlich aufzuräumen.

Warum ich es jetzt plötzlich kann, obwohl ich das Thema in der letzten Zeit immer wieder von mir weg geschoben habe, kann ich auch nicht genau erklären. Ich will aber auch nicht erklären, weshalb es mit Martin nicht funktioniert hat. Ich war nicht bereit es ihm zu erklären, vielleicht auch nicht in der Lage, und ich möchte auch weiterhin keinen Kontakt mit Martin. Es jetzt im Internet zu veröffentlichen wäre trotzdem nicht fair, und deshalb lasse ich es. Es muss euch also reichen, zu wissen, dass in meinem Kopf alles ganz klar ist und ich endlich damit abschließen kann.

Am Samstag fährt endlich unser Zug in die Schweiz. Wir sind so voller Vorfreude, dass wir manchmal alles andere vergessen. Ich glaube, Vorfreude ist sowieso das wichtigste an einem Urlaub. Zwei Wochen sind wir weg, und ich werde alles hier lassen: Alle Probleme, alle Sorgen, alle Nöte. Die Prüfungsvorbereitung auch. Zwei Wochen werde ich keinen einzigen Gedanken verschwenden an die Wohnung, die Renovierung, die Wohnungssuche, das Theme “Männer”, die Prüfung. Ich werde einfach Urlaub machen.

Denn ich glaube, den hab ich mir verdient.

Heute hatte ich Post.

Sehr geehrte Frau S.,

bitte sprechen Sie hier mit einem Mietangebot bis max. 444,00 Euro vor.
Da Sie als Auszubildende aber keinen Leistungsanspruch haben, kann Ihnen bei einem vorgelegten angemessenen Angebot jedoch max. 222,00 Euro eine Kostenübernahme für Ihren Sohn ausgestellt werden.

Sollten Sie ein Angebot über 444,00 Euro vorlegen, kann die Zustimmung nicht erfolgen.

Die von Ihnen vorgetragenen Gründe sind hierbei ohne Belang.

Als ich den Brief gelesen hatte, hab ich mich im Bad eingeschlossen und geheult.

1. Ich habe keinen Sohn. Hätte die Person, die zu feige war, Ihren Namen unter den Brief zu setzen (tut mir Leid, Frau W., habe das klein gedruckte überlesen…), meinem Brief auch nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit gewidmet die man glaubt erwarten zu können, dann hätte sie merken müssen, dass ich insgesamt 10 (in Worten: Zehn!) mal die Formulierung “meine Tochter” verwendet habe. Wie kann man da noch auf Sohn kommen?

2. Es ist unfair, dass meine Gründe als belanglos hingestellt werden, ohne die Belanglosigkeit zu begründen.

3. Mal davon abgesehen, dass sie nicht ohne Belang sind, ich habe schließlich nicht beantragt einen höheren Mietanteil zu übernehmen, sondern eine Wohnung zu genehmigen, die eben nicht nur 444,00 warm kostet. Schließlich bin ich nicht arm. Ich gehe arbeiten und habe eigenes Einkommen. Ich kann mir mit einer Unterstützung von 222,- € sehr wohl eine Wohnung leisten, die mehr als 444,- € kostet. Ich darf sie nur nicht anmieten, wenn das Jobcenter nicht zustimmt. Aber das machen sie nicht. Auch nicht wenn man sie in einem 2-seitigen Brief quasi darum anbettelt.

Das heißt für mich, dass ich völlig anspruchslos in die Wohnungssuche gehen muss. Kein Balkon, kein Aufzug, keine geräumige Küche, kein Spielplatz auf dem Hof. Ich könnte natürlich all diesen Luxus haben und nach Staaken oder Hellersdorf ziehen. Aber da kriegen mich keine zehn Pferde hin.

Also einmal tief durch atmen… und damit leben.

Ich habe langsam keine Kraft mehr, gegen irgendwas zu kämpfen.

Deine Gedanken tanzen Samba, Tango und Walzer.
Deine Gehirnzellen platzen, du kannst nicht klar denken.
Du willst alles aufschreiben, alles ordnen, um dich endlich selbst zu verstehen.
Aber deine Gedanken spielen nicht mit.
Sie tanzen weiter.
Gegen den Takt.

Seit Tagen versuche ich wenigstens irgendwas aufzuschreiben, wenigstens ein bisschen, damit ich endlich Ruhe hab. Aber jeder Satz beginnt mit Wortsalat und endet damit, dass ich ihn gleich wieder lösche.

Ich wurde verletzt, sehr sogar, am Liebsten würde ich mich in mein Bett verkriechen und tagelang drin liegen bleiben und einfach an nichts denken.

Will verzeihen, aber kann nicht.
Will wütend sein, aber bin’s nicht.
Will nicht dran denken, aber sie tanzen.
Gegen den Takt.
Die ganze Zeit.