Diese Frau bringt mich noch um.

Christine Neder © www.lilies-diary.comIch kann nicht aufhören, sie anzuschauen, ihren Blog zu lesen, auf ihre Facebook-Statusmeldungen zu klicken, ihre Fotos zu durchstöbern. Tatsächlich verbringe ich seit Sonntag zwei Drittel meiner Online-Zeit damit, das Leben dieser Frau zu verfolgen.

Weil ich neidisch bin. Tierisch neidisch. Sie ist nur ein paar Tage jünger als ich. Sie hat mit Diplom studiert. Sie reist um die Welt. Sie verdient Geld mit dem Schreiben.

Seit Sonntag denke ich kaum noch an etwas anderes als an diese Frau. Am Sonntag lief auf Vox ihre Pilotfolge von „Auf und Davon“. Ihr wisst schon, diese Sendung, wo junge Menschen ihren Träumen nachrennen und meistens scheitern oder sich daneben benehmen und man nur den Kopf schütteln kann. Nicht so Christine. Christine ist bereits in ihrem Traum angekommen und lebt ihn einfach. Aber eigentlich lebt sie meinen Traum.

St. Lucia © www.lilies-diary.comGanz oft hab ich das Gefühl, einfach ins Flugzeug steigen zu müssen und alles hinter mir zu lassen. Einfach irgendwohin gehen, eine Kamera auspacken und euch zeigen, was ihr verpasst. Es gibt so viele Orte, die ich sehen möchte, über die ich schreiben möchte, so viele Dinge, die ich erleben will, um meine Erfahrungen dann mit euch zu teilen.

Aber dann mach ich das nicht, weil ich das Geld für den Flug nicht habe und weil Paula am nächsten Tag in die Schule muss und mein Freund mir einen Vogel zeigt. Dann sag ich mir, eigentlich hast du es doch gut, du musst doch jetzt nicht alles weg schmeißen. Nur noch ein bisschen mehr arbeiten, und dann kannst du vielleicht nächstes Jahr nochmal zu deiner Mama in die Schweiz fahren oder ein Wochenende in Barcelona buchen. Paula und ravii kannst du ja dann einfach mitnehmen. Und dann machst du ganz viele Fotos und erzählst einfach nochmal, wie schön dein Jahresurlaub war. Oder dein Besuch am Flughafensee. Oder dein Wochenende auf dem Balkon.

Und dann male ich mir wieder aus, dass ich ja mein Abitur nachholen und doch Innenarchitektur studieren kann, und dann kann ich ja irgendwann meinen eigenen Laden aufmachen und Kindermöbel bauen und ein paar Villen am Stadtrand ausbauen. Und dann mach ich das doch nicht. Warum eigentlich nicht?

Christine Neders Buch "90 Tage 90 Betten" © www.lilies-diary.comChristine Neder schreibt ganz oft, man soll nicht neidisch sein auf das, was sie tut und was sie hat. Aber so einfach ist das gar nicht. Sie arbeitet 3 Wochen am Stück, um dann eine Woche verreisen zu können. Das geht nur, weil sie richtig gut ist in dem, was sie da tut. Sie hat zwei Bücher geschrieben, Sie hat für die Cosmopolitan geschrieben (wtf?), sie berät irgendwelche Firmen im Bereich Social Media. Wenn ich mir ihren Lebenslauf ansehe, denk ich: „Ey, was soll das, das kannst du doch auch!“ Ähm. Nee. Kann ich nicht.

Ich hab viel zu große Angst, dass ich eben nicht gut genug für die große, weite Welt bin. Dass es eben keinen, außer ein paar netten Freunden, interessiert, was ich hier so mache. Dass ich es weder mit dem Schreiben, noch mit dem Webdesign, und schon gar nicht mit einem eigenen, süßen kleinen Kindermöbelgeschäft, jemals zu irgendwas bringen könnte. Weil ich im Moment zumindest weder finanziell noch im Herzen das Kapital hab, das alles wirklich umzusetzen. Vielleicht ändert sich das irgendwann. Bis dahin träume ich weiter und sehe Christine dabei zu, wie sie es einfach macht.

Fotos © www.lilies-diary.com

7 commenti su “Diese Frau bringt mich noch um.

  1. Tina sagt:

    Hey,

    ich glaube Christines Leben klingt wirklich schöner als es eigentlich ist. Das sagt sie auch ganz oft. Es ist glaub ich wirklich anstrengend nie zu wissen, wie viel Geld man im Monat einnimmt, weil sich viele Dinge bei ihr spontan ergeben. Richtige Regeln gibt es nicht und an den 3 Wochen, an denen sie arbeitet hat sie auch kein Wochenende um mal mit Freunden auszugehen oder so wie du, sich um seine Tochter zu kümmern. Das klingt erstmal alles wirklich schön und aufregend, aber sie fragt sich sicher selber auch ganz oft, ob es die ganze Sache wirklich Wert ist. Irgendwie suchen wir doch alle nach Struktur und Ordnung. Eine Weile kann man das vernachlässigen und fühlt sich frei… irgendwann macht so etwas aber auch unsicher und ein Leben lang können nur ganz wenige damit leben. Wir haben doch Ansprüche, wollen uns Dinge leisten und nicht jeden Tag überlegen woher ich mein Abendbrot bekomme. Überlege mal was du an Selbstverständlichkeiten aufgibst nur um jeden Tag am Strand zu sitzen. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Schau lieber was in deinem Leben gut läuft und wenn du wirklich länger diesen Wunsch hast mal eine Auszeit zu nehmen, plane sie und versuche sie zu realisieren. Du könntest Paula ein Jahr von der Schule freistellen lassen und sie mitnehmen oder du wartest bis sie älter ist und besprichst mit ihr, dass du für 3 Monate auf Reisen gehst und sie solange bei einer Freundin, deinem Freund, Mutter (ich kenne deine Verhältnisse nicht) bleibt. Das musst du nur ausführlich planen und Paula muss auch verstehen warum du das machen möchtest. Einen Weg gibt es immer. Du musst nur dran glauben und es machen und dir Geld sparen ;) dafür verzichtest du eben jetzt ein wenig auf Freizeitsachen die du dir gönnst. Ich finde, man sollte nicht immer gleich aufgeben, sondern erst genau durch kalkulieren ob es wirklich Sinn macht. Dann ist man weniger frustriert, falls es sich wirklich nicht realisieren lässt…

    • nadue sagt:

      Es geht mir tatsächlich nicht unbedingt darum, eine Auszeit zu nehmen oder am Strand zu sitzen, sondern hauptsächlich, endlich meinen Arsch hochzukriegen und das in die Wege zu leiten, was ich tatsächlich machen will, nämlich meinen eigenen Laden aufmachen und davon leben können. Dann kommen die Tage am Strand ganz von allein, sobald die Kohle stimmt. Christine hat mir gezeigt, worum es geht, nämlich seinen Traum einfach durchzuziehen, das Risiko einzugehen, sein Ding zu machen. Dafür fehlt mir aber im Moment noch der sprichwörtliche Arsch in der Hose.

  2. Valeria sagt:

    Kenn ich… Christine ist schon ne coole Sau! Aber hey, nicht neidisch sein, sondern nachmachen. Ist ja erlaubt. Schließlich dient Christine sicher nicht nur für dich als eine Art Vorbild/Ikone o.ä.

    Nicht: Sie lebt dein Leben, sondern eher: Du lebst nicht deins!
    Wünsche dir alles Gute, beim „Arschhochkriegen“. Ist der Anfang getan, rollt der Rest wie von selbst. Du sollst nur anfangen und nie wieder aufhören! LG

    Wie Tina schon schön meinte: Alles hat Vor-und Nachteile. Stimmt, ergänzend möchte ich dir sagen: Alles ist möglich, nichts ist sicher!

  3. Wo ein Wille ist auch meistens ein Weg. Man muss nur langsam anfangen und darf nicht aufgeben. Schritt für Schritt und irgendwann ist man kilometerweit gegangen. Be as much person as you can be! Das wird schon! ;)

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