Ethical Trade – das ist nichts, was man einfach so sagt.

PrimarkZu gegebenem Anlass und aus persönlichen Gründen, auch weil ich von Anfang an gesagt habe, dass ich mich in derartigen Diskussionen bewusst zurückhalten werde: Nun gebe ich doch ein Statement ab, und ich denke es wird auch mein letztes dazu sein.

Ich arbeite seit Montag für Primark und mir war von Anfang an klar, dass es einige meiner Freunde und Bekannte für eine schlechte Idee halten würden. Aus verschiedenen Gründen, dem einen passt nicht, dass ich auch samstags arbeiten muss, andere finden es doof, dass ich dem Tischlern, wenn auch nur vorübergehend, den Rücken zuwenden möchte. Ich kann euch verstehen, aber mein Leben geht nun mal gerade diesen Weg.

Und dann gibt es noch die, die sich wegen der Arbeitsbedingungen in den Zuliefererländern aufregen. In der Vergangenheit gab es sicherlich auch Gründe dafür, zum Beispiel den Einsturz der Fabrik in Bangladesh. Klar ist auch, dass ich als „einfache“ Verkäuferin höchstwahrscheinlich ein vielfaches von dem verdiene, was eine Näherin in Asien bekommt.

Aber ich will mich hier nicht rechtfertigen, weshalb ich den Job beim ach so bösen Primark angenommen habe, ich möchte nur klar stellen, dass nicht alles, was im Netz kursiert, auch unbedingt wahr sein muss.

Primark ist Mitglied bei der ETI – der Ethical Trading Initiative. Und sowas ist man nicht einfach nur auf dem Papier, damit es besser aussieht. Ihr könnt euch die Projekte auf der Webseite anschauen und euch selbst ein Bild machen. Keine Kinderarbeit, die Arbeitsbedingungen werden regelmäßig geprüft, die Menschen werden geschult, und noch mehr. Es gibt im Übrigen genug Läden, die in den selben Ländern produzieren, sich einen Dreck um Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen scheren und ihr Zeug trotzdem – meistens sogar noch völlig überteuert – an den Mann bringen.

Zu diesem Etikettenschwachsinn – ja, ich halte es für Schwachsinn – kann ich nur sagen: Welche unterbezahlte, zu schlechtesten Bedingungen zur Arbeit gezwungene Näherin hat denn bitte Zeit, in nahezu perfektem Zeilen- und Zeichen- und Randabstand eine Nachricht in perfektem Englisch, dass sie wahrscheinlich nie gelernt hat, auf ein Stück Stoff zu nähen*? Das ist purer Bullshit und das stinkt so dermaßen nach Neid.

*Für mich sieht es genäht aus, kann aber auch geschrieben sein… kein Plan.

Und das beste kommt zum Schluss: Auf diesen beiden Bildern seht ihr zweimal die gleiche Hose mit dem gleichen Etikett. Was mich wundert: Einmal ist es über der Waschanleitung, einmal unter der Waschanleitung eingenäht.

Soviel dazu. Schaut euch lieber die Fußball-WM an, für den Spaß wurden wirklich Menschen mies behandelt.

Das Statement von Primark zu den Vorfällen gibt es hier.

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