mein Gesellenstück

Am Anfang der Ausbildung war ich sicher, ich würde eine große Stehlampe im japanischen Stil mit Reispapier und einem kleinen Schränkchen als Unterbau bauen. Während der Halbzeit wollte ich dann doch lieber eine Kommode für den Flur bauen. Als es dann tatsächlich in die Planung ging war klar: Ich brauchte einen großen Schreibtisch.

Der erste Entwurf, ein Schreibtisch, der optisch an eine Hobelbank erinnert, war eigentlich für meinen Geschmack schon perfekt, aber mein Ausbildungsmeister machte mir einen Strich durch die Rechnung: Es war ihm zu kompliziert.

Zweiter Entwurf

Auch den zweiten Entwurf musste ich groß verteidigen und ich konnte ihn dann auch nur mit Müh und Not und einigen Kompromissen durchsetzen. Ich bin heute immernoch davon überzeugt, wenn man mich ein bisschen mehr in der Entwurfsphase unterstützt hätte und nicht gleich zu allem ’nein‘ gesagt hätte statt gemeinsam eine Lösung zu suchen, dann hätte ich den Tisch nach meinen Wünschen in Vollholz gebaut, hätte weniger Zeitdruck gehabt, weniger Geld ausgegeben und letzendlich ein besseres Resultat gehabt. Ich bin natürlich trotzdem stolz auf das Ergebnis.

Entwurfszeichnung

Ich bin froh, dass ich die Entwurfszeichnung und später auch die Fertigungszeichnungen zu Hause am Computer zeichnen durfte. Zusammen mit meinen „Kolleginnen“, die ja schon lange nicht mehr als solche agiert hatten, in einem kleinen Raum im Keller? Ich glaub ich wär durch gedreht.

Die ersten Wochen saß ich also eigentlich nur zu Hause am Computer, das war ziemlich entspannt und ich konnte mich voll austoben, aber vor allem konnte ich meine Zeit einteilen wie ich wollte, die einzige Bedingung war, zwischendurch Emails als Fortschrittsanzeige zu senden und rechtzeitig kurz vorm Abgabetermin fertig zu sein. Wenn die Ausbildungsmeister dann nochmal anständig auf die Zeichnungen geschaut hätten, hätten sie vielleicht die kleinen Unmachbarkeiten entdeckt, die mir dann zum Ende hin die Zeit geraubt haben :/

Verbindungsmittel

Die erste Unmachbarkeit hat sich zum Glück schon während der Entwurfsphase bemerkbar gemacht. Als Plattenmöbel in dieser Konstruktion, ohne stüztendes Brett an der Hinterseite, ist der Schreibtisch definitiv nicht transportfähig. Er würde beim Hochheben einfach zwischen den beiden Elementen zusammenklappen. Also musste ich auf den Ikea-Standard zurück greifen und den Schreibtisch so konstruieren, dass man ihn – theoretisch – beliebig oft ab- und wieder aufbauen kann. Da ich die verfügbaren Verbindungsmittel eigentlich tatsächlich nur von Ikea kannte, konnte ich mich erst gar nicht entscheiden, welche für meinen Zweck nun am Besten geeignet wären. Die unteren, die ja bei Ikea-Möbeln meistens vorkommen, schienen mir zu klein und zierlich für meine dicken Platten, die mittleren haben in mir überhaupt kein Vertrauen geweckt. So hab ich mich dann für die oberen entschieden, die ihren Zweck auch wunderbar erfüllen.

Holz bestellt

Die nächste Aufgabe war dann, das Holz auszusuchen. Die Holzarten standen schon seit unserem Besuch beim Holzhändler im ersten Lehrjahr fest. Amaranth ist die schönste Holzart, die ich je gesehen habe, und ich glaube, der Schreibtisch war auch nicht das letzte Teil, bei dem ich diese Holzart verwendet habe. Im Rohzustand sieht es noch relativ unspektakulär aus, eher wie Nussbaum oder Kirsche. Erst geschliffen und nach einiger Zeit an der Luft entwickelt sich die wunderschöne Farbe.

Als das Holz dann endlich in die Werkstatt geliefert wurde, konnte es losgehen. Ich hab zwischendurch Rotz und Wasser geheult und trotz Süßigkeitenvorrat für 15 Jahre 5 Kilo abgenommen.

Kurz vorm Abgabetermin kamen dann noch einige größere Probleme auf mich zu. Die Schrauben der Bänder brachen im harten Amaranth einfach durch, das Schloss saß nicht mittig und wollte sich partout nich schließen lassen. Das hat natürlich ’ne Menge Zeit geraubt. Der Puffer für den Kabelkanal war aufgebraucht und ich musste den Schreibtisch ohne den Kanal abgeben. Eine 3 gab’s trotzdem – und den Kabelkanal hab ich dann nachträglich während meines Resturlaubs eingebaut.

Abtransport

Dann wurde alles für den Transport fertig gemacht…

… und zu Hause – endlich – aufgebaut!"PAULA" ist zu Hause!

Das wäre alles vielleicht einfacher gewesen, wenn ich doch irgendwo anders meine Ausbildung zu Ende gemacht hätte, oder wenn ich nicht nebenbei hätte eine Wohnung suchen und umziehen müssen, oder oder oder… aber ich bin wie schon gesagt zufrieden und stolz auf das Ergebnis. Beim nächsten Mal würde ich ’ne Menge anders machen, aber ein nächstes Mal wird es wohl nicht geben – denn ich hab bestanden ;)

Wer ganz doll neugierig ist, kann sich hier noch meine Entwurfsmappe ansehen. (PDF-Reader benötigt)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.