Ich war beim Kochen noch nie so aufgeregt

Ich lebe nun seit etwa 2 Monaten mit dieser miesen Glutenunverträglichkeit namens Zöliakie. Wenn ich zu Cake & Coffee Kuchen essen gehen will, muss ich das drei Tage vorher ansagen. Wenn ich mit Popsi im Wild at Heart einen trinken will, werd ich in Zukunft wahrscheinlich mit Jackie Cola anstoßen statt mit Bier. McDonalds, Subway, Chinaimbiss: Was ich mir früher öfter mal gegönnt hab, kann ich heute vergessen – fast überall wird heutzutage Weizenmehl beigemischt, selbst die Pommes bei McDonalds sind nicht glutenfrei, solange dort auch andere Kartoffelprodukte im Angebot sind – denn die sind meistens mit Weizenmehl paniert, und das landet dann in der gleichen Fritte wie die Pommes.

Es ist wirklich schwierig, auf das alles zu verzichten, vor allem jetzt in der Vorvorweihnachtszeit. Sie sind nicht zu übersehen, und es bricht mir bei jedem Einkauf das Herz: Spekulatius und Herzen-Brezel-Sterne-Lebkuchen. Die letzten Jahre hab ich etwa 6-8 Schachteln Lebkuchen pro Saison verputzt. Alleine. Manchmal war das mein Frühstück oder Mittag oder Abendessen. Manchmal hab ich den ganzen Tag nichts anderes gegessen. Ich weiß, nicht besonders gesund, aber bevor ihr den Zeigefinger hebt: Mehr Bauchschmerzen als im Frühling oder Sommer hatte ich zu Weihnachten auch nicht.

Für viele Dinge, die ich jetzt nicht mehr essen darf, hab ich irgendwie Ersatz aufgetrieben. Im Reformhaus gibt es ziemlich leckeres Brot, wenn auch ziemlich teuer, außerdem hab ich jetzt einen Brotbackautomaten und schaffe es schon fast, anständiges Brot damit zu backen. Es gibt glutenfreies Paniermehl, also kann ich auch wieder Wiener Schnitzel essen. Alle möglichen Nudelsorten gibt es in der glutenfreien Variante: Damit ist sogar Lasagne drin. Meistens koche ich dann immer zweimal Nudeln, die normalen für Paula und ravii und die teure Extrawurst für mich. Und sogar Pizza geht, die Pizzaböden dafür gibts auch im Reformhaus und den Belag sucht man sich einfach selber aus. Das geht schon, irgendwie kann man sich damit arrangieren.

ich-war-beim-kochen-noch-nie-so-aufgeregt-002Wenn ich morgens ein richtig schnelles Frühstück brauche, weil die Zeit knapp ist, dann landet immer wieder frisches Obst auf meinem Teller. Im Großen und Ganzen ernähre ich mich von Tag zu Tag gesünder, weil es gar nicht anders geht: Mal schnell ein Toast in den Sandwichmaker geht eben nicht mehr, und unterwegs ’ne Bratwurst mit Brötchen kann ich mir auch nicht mehr erlauben. Leben is halt kein Ponyhof.

Was mir neben Lebkuchen und Spekulatius auch sehr fehlt, das sind Kroketten. Aber die gibts nicht ohne Gluten, zumindest hab ich noch keine gefunden. Was auch immer das Weizenmehl in den Kroketten zu suchen hat, schließlich sind die ja aus Kartoffeln. Aber ab heute muss ich mir darum keine Gedanken mehr machen: Kroketten selbst zu machen ist genauso einfach wie Kartoffelpürree, und den hab ich schon vor Jahren angefangen selbst zu machen.

ich-war-beim-kochen-noch-nie-so-aufgeregt-001Für Kroketten braucht man nur Kartoffeln, Kartoffelmehl (gibts im gut sortierten Supermarkt deines Vertrauens für’n Appel und’n Ei) und Salz. Naja und Wasser, um die Kartoffeln zu kochen. Lange. Mit Schale, bis sie ganz weich sind, so richtig weich. Dann kann man solange sie noch heiß sind ganz easy die Schale abziehen. Wenn die Kartoffeln dabei zerfallen, umso besser, die werden dann eh gestampft. Ohne Butter oder Milch, einfach nur quetschen bis es so gut wie homogen ist. Dann wird mit einem Gummispatel (das Ding mit dem man den Teig vom Kuchen aus der Schüssel kratzt) das Kartoffelmehl und das Salz untergerührt, das wird ein schöner Teig der sich gut formen lässt. Dabei kommen etwa 50g Kartoffelmehl auf 1kg Kartoffeln. Der Teig wird zu einer Rolle geformt, die wird in Stücke geschnitten und dann werden die Kroketten nur noch in der Pfanne gebraten oder mit Öl bepinselt im Ofen gebacken, bis sie so aussehen, als wären sie lecker. UND DAS SIND SIE!

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