.lebenszeichen

Hier war es ja eine ganze Weile verdächtig still. Nicht, weil ich nichts zu erzählen gehabt hätte. Eher, weil ich grad mal wieder nicht wusste, was ich wie erzählen soll. Früher hab ich sowas immer „KreaTIEF“ genannt, heute bringe ich es mal auf den Punkt: Ich hatte eine Schreibblockade.

Ich bin grad an einem Punkt in meinem Leben, wo alles irgendwie gut läuft. Ich fange in zweieinhalb Wochen einen neuen Job an, die Geschichte vom Blumentopf gehört jetzt endlich auch finanziell der Vergangenheit an und in dreieinhalb Wochen feiere ich neunjähriges mit meinem besten Freund, der seit anderthalb Jahren auch mein fester Freund ist.

Ich verbringe im Moment sehr viel mehr Zeit mit dem Ordnen meiner Gedanken und zugegebenermaßen auch mit dem Ordnen meines bisher ziemlich eingerosteten Alltags. Eine ganze Weile bestand dieser nur aus Aufstehen, wenn überhaupt erst sehr spätem Frühstück, Computer oder Fernseher, ab und zu mal Arbeiten gehen, denn öfter wurde ich nicht „gebraucht“, Abendessen, noch mehr Computer und Fernseher und ziemlich frühem Zubettgehen. Das hat mir nicht wirklich gut getan und irgendwann habe ich das gemerkt. Und angefangen, etwas dagegen zu tun.

Zum Beispiel hab ich bei meinem Job bei Party Rent ziemlich lang einfach nur darauf gewartet, dass dem Chef klar wird, wie dringend ich dort gebraucht werde und er mich endlich fest und in Vollzeit anstellt. Mehrere Male hatte ich nachgehakt, aber da hieß es immer, der Personalschlüssel würde nicht passen und ich müsse noch etwas Geduld haben. Naja, als überaus geduldiger Mensch bin ich ja nicht gerade bekannt. Also begann ich, mich anderswo zu bewerben: In Baumärkten, Tischlereien, Zeitarbeitsfirmen und bei Personalagenturen. Es hagelte Absagen:

„Der fehlende Führerschein ist ein Problem.“

„Sie haben ja überhaupt keine Berufserfahrung.“

„Unser Kunde sucht etwas anderes.“

„Wie, sie sind nicht bereit, nachts und am Wochenende zu arbeiten?“

„Wenn Sie nur Möbeltischlerin sind, dann haben Sie am Arbeitsmarkt vorbei gelernt.“

Und die allerbeste war wohl die hier:

„Ich verstehe gar nicht, warum die Zeitarbeitsfirma uns eine Frau vorschlägt.“

Nun ja. Mit meinen 58 Kilo, der fehlenden Berufserfahrung, dem nicht vorhandenen Führerschein und dem bisschen Holz vor der Hütte hab ich zur Zeit scheinbar einfach kene Chance, als Tischlerin ernst genommen zu werden, geschweige denn einen Job zu ergattern. Life matters. Als ich damals die Ausbildung anfing, hatte ich ein Ziel: Irgendwann eigene Kindermöbel zu bauen und an Paris Hilton zu verkaufen, um damit reich zu werden. Die technischen Voraussetzungen erfülle ich – ich weiß wie es geht. Jetzt muss ich Geld verdienen, um irgendwann ein Kapital zu haben, um einfach damit anzufangen. Und ganz ehrlich: Mit dem Stundenlohn, den ein Tischler heutzutage kassiert, bleibe ich auf ewig HartzIV Aufstocker.

Also bin ich zu meiner Arbeitsvermittlerin gegangen und hab gesagt: „Egal was, ich mach’s, hauptsache ich verdiene Geld.“ Sie gab mir ein Stellenangebot, ich hab mich beworben, ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ein paar Wochen später bekam ich den lang ersehnten Anruf: Ich werde eingestellt. Also arbeite ich ab Ende Juni bei PRIMARK als Retail Assistent. Zu einem Stundenlohn, von dem ein Jungtischler nur träumt. Basta.

Mein Ziel hab ich weiterhin im Blick – irgendwann wird das auch was. Jetzt halt noch nicht. Nicht so schlimm. In meiner Freizeit werde ich mich weiterhin mit Holz beschäftigen. Momentan möbel ich meine Doppelkastenfenster auf, in meinem Wohnzimmer liegt noch ein Schränkchen aus der Ausbildung rum, das verleimt werden will, außerdem noch ein Esszimmerstuhl, ich habe eine Idee für einen Wohnzimmertisch im Hinterkopf, ich brauche noch ein Hochbett und Regale… genug Projekte sind jedenfalls da, um die Verbindung zu meiner Leidenschaft nicht zu verlieren, auch wenn sie gerade nicht die erste Geige spielt.

Das andere, worum ich mich gerade intensiv kümmere, ist meine Gesundheit. Ich stand zuletzt kurz vor einem Bandscheibenvorfall, also bin ich zur Akupunktur, Physio- und Fangotherapie und hab mich wieder im Fitnessstudio angemeldet. Meine Gebärmutter hatte eine Krebsvorstufe, also hab ich mich operieren lassen. Ich hab meine Gefühle nicht im Griff, also geh ich zur Psychotherapie. Gesundheitlich gehts mir also grad eigentlich gar nicht gut, aber im Gegesatz zu sonst versuche ich wenigstens, ernsthaft etwas dagegen zu tun. Demnächst werde ich mich auch nochmal von einem anderen Allgemeinmediziner durchchecken lassen, um endlich diesen immer wiederkehrenden Unterbauchschmerzen auf den Grund zu kommen. Und zum Dermatologen, weil meine Haut nicht so will wie ich. Lot to do.

Ich versuch in nächster Zeit wieder mehr zu bloggen. Aber das versprech ich nach .lebenszeichen Blogs immer.

<3

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