Gestern hab ich ganz stolz von meiner neuen Bekanntschaft Richie erzählt. Gestern hab ich das erste Mal mit ihm telefoniert. Und das letzte Mal.

Am Samstag war alles so richtig. Als würden wir uns ewig kennen. Wie ein kleines Mädchen hab ich gestern seine Nummer gewählt und noch vor dem ersten Klingeln wieder aufgelegt. Als ich mich dann doch getraut hab, war ich bitter enttäuscht, weil nur seine Mailbox dran ging. Dann klingelte das Telefon, und plötzlich war ich wieder das kleine Mädchen und wusste gar nicht was ich ihm eigentlich erzählen wollte.

Aber dann hat Richie mir gestern Nacht noch einen kleinen Roman geschrieben. Ob ich das Gefühl kenne, wenn man einen alten Freund wieder trifft und ihm beichtet, dass man in der Grundschule in ihn verliebt war. Und er erzählt, dass es ihm genauso ging. Und dann lacht man darüber. Das Gefühl kenne ich nicht. In der Grundschule war ich ein einziges Mal verliebt. In Steffen. Steffen war mein erster fester Freund. Ich schätze, ihm ist klar, dass ich in ihn verliebt war. Mir ist klar, dass er in mich verliebt war. Keine Überraschung.

Aber Richie kennt ein Mädchen. In dieses Mädchen war er verliebt. Er hat sich nie getraut, ihr das zu sagen. Und dann hat er sie wieder getroffen. Und nun ist sie seine Freundin.

Ich soll mir jetzt überlegen, ob er ein Arschloch oder der Held einer Kinoschnulze ist. Ich will das Arschloch sehen. Aber ich sehe nur den Helden. Ich kenne Richie nicht, ich weiß so gut wie nichts über ihn, aber er hat mich am Samstag so fasziniert, dass ich alles wissen wollte. Ich wollte ihn wieder sehen, mir alle Tarantino-Filme mit ihm ansehen, ihm durch seine kurz geschorenen Haare fahren, ihn im Kickern abziehen, mit ihm auf Konzerte gehen. Wollte schauen, ob ich bereit bin, mich wieder zu verlieben. Ob ich ihm vertrauen will.

Ich werde Richie irgendwann wieder sehen. Und dann erzählen wir. Von Hoffnung und Enttäuschung. Von Liebe und Schmerz. Und lachen darüber.

Ich find ganz schön heftig, was ich da grad geschrieben hab. Ich weiß nicht ob überhaupt jemand versteht, was ich damit andeuten wollte. Ich hätte versuchen können, es zu erklären, aber das hätte irgendwie nicht gepasst.

Ich habe es satt, mir immer wieder meine Meinung zu verkneifen, weil ich nicht weiß, wer meinen Blog liest und sich angegriffen fühlen könnte. Ich will ja niemanden verletzen. Dieser Blog ist aber dazu da, um mir den ganzen Scheiß von der Seele zu schreiben, und das funktioniert nur, wenn ich frei bin in dem, was ich schreibe. Manche finden, dass ich mein Leben zu sehr ins Internet schiebe. Dass ich “jeden Scheiß” poste. Ich mein – und wenn schon? Ich zwinge niemanden, es zu lesen. Dann lasst es doch einfach. Ich schreibe, damit ich mich besser fühle. Das machen andere auch.

Also habe ich beschlossen, alle vergangenen Blogposts zu löschen, weil ich mir viel zu oft meine Meinung verkniffen habe. Und ab heute will ich mir einfach nichts mehr verkneifen müssen. Wer das nicht ertragen kann, muss wieder gehen. Ich habe es satt, immer erst an die anderen zu denken. Ich will – wenigstens hier! egoistisch sein können.

Und das bin ich jetzt auch.

Manch spontane, eventuell sogar überstürzt vereinbarte, aber eigentlich auch eher zufällig zustande gekommene Verabredung endet in einer Katastrophe. Es sei denn, man erkennt rechtzeitig, dass man sich aus dem Staub machen sollte, und macht sich aus dem Staub. Das hab ich am Samstag, zugegebenermaßen mit schlechtem Gewissen, auch gemacht. Das schlechte Gewissen ist noch da. Ist bestimmt nicht schön, plötzlich allein da zu sitzen und dann auch noch fest zu stellen, dass die Verabredung plötzlich neben dem netten Typen von vorhin sitzt, der sich an der Bar ein alkoholfreies Bier bestellt hat. Oder sich einzugestehen, dass man einen Gang zu schnell fährt. Oder ein paar Gänge. Also ist das schlechte Gewissen nichtmal wirklich begründet… ich hab das Date schließlich nicht versaut.

Der nette Typ von der Bar heißt übrigens Richie, und ich werd ihn wieder sehen. Hoffentlich bald. Ist nämlich ziemlich interessant.

 

 

Ich will schreiben können. Buchstaben zu Wörtern aneinanderreihnen und Wörter zu Sätzen formen und aus Sätzen Geschichten machen. Ich schreibe nur Tagebuch.

Ich will Mitgefühl, Lob, Kritik. Aber ich bekomme nichts. Denn ich schreibe nur Tagebuch.

Ich lese Bücher. Viele Bücher. Wenn ich ein Buch zu Ende gelesen habe, dann will ich selbst Geschichten schreiben. Will die Menschen zum Lachen bringen, so wie Kerstin Gier mich zum Lachen bringt. Will sie zu Tränen rühren wie Cecilia Ahern. Will sie bewegen wie Roman Held. Aber ich kann nicht. Ich schreibe nur Tagebuch.

Ein Tagebuch fängt alle Tränen auf. Es speichert jedes Lachen. Jedes Gefühl. Mein Tagebuch tut das nicht. Denn jeder kann es lesen.

Ich habe Angst, zu schreiben. Ich habe Angst, dass meine Tränen jemanden treffen. Das mein Lachen jemanden verletzt. Dass meine Gefühle sonst niemanden etwas angehen. Dass ihr nicht wollt, dass ich schreibe, weil ihr nicht wollt, dass ich es jedem erzähle.

Aber ich will es erzählen. Der ganzen Welt. Ich will keine Angst mehr haben. Ich will einfach nur schreiben. Ich will schreiben, was ich will. Und ich will es dürfen.

Wenn ich schreibe, lese ich noch drei mal, bevor ich es veröffentliche. Bin ich zu gemein? Ist das zu persönlich? Kann ich das schreiben, ohne jemandem weh zu tun? Ich will schreiben. Und meinen Kopf dabei abschalten.

Ich will. Ich kann auch. Und ob ich darf, ist mir egal. Ich weiß nur nicht, ob ich sollte.

Aber von jetzt an werde ich versuchen, zu schreiben. Alles.