So fühlt sich also „Zu Hause“ an

Für uns Deutsche ist die Küche ein Heiligtum. Ich glaube, die meiste Zeit unseres Tages verbringen wir dort, und das nicht nur zum Essen und Kochen. Eine Küche ist das Herzstück einer Wohnung. Ohne Küche ist es kein Zu Hause. Dass ich das erste und letzte Mal eine „richtige“ Küche hatte, ist nun schon eine Weile her – heute so ziemlich genau sechs Jahre. Das war in Bochum, dort war einfach ein Teil des Wohnzimmers abgetrennt und mit einem schönen Rundbogen versehen worden. Aber so richtig wohl gefühlt habe ich mich dort nicht: Schon kurz nach dem Einzug ging die Spülmaschine kaputt, die mir vom Vermieter gestellt worden war, und sie war zu alt, um sie noch günstig reparieren zu lassen. Die Ecke hinter dem Rundbogen war zwar perfekt für eine Sitzecke, aber irgendwie war es trotzdem immer zu eng. Außerdem waren die Schränke grün und die Küche hatte keine Tür, so dass jegliche Essensgerüche sich auch im Wohnzimmer breit machten. Eine richtige „Zu-Hause-Küche“ hatte ich seit meiner ersten eigenen Wohnung also nicht. Dort hatte ich übrigens eine kaputte Waschmaschine und einen einzelnen Unterschrank, die mir zusammen als Arbeitsfläche dienten, einen Herd und einen umfunktionierten Umzugskarton, in dem ich meine Kartoffeln lagerte.

Nachdem ich nun die letzten zwölf Jahre auf der Suche nach einem richtigen Zu Hause einmal quer durch Deutschland und wieder zurück nach Berlin gezogen bin, habe ich mich nun im Februar letzten Jahres in dieser süßen 2-Zimmer-Altbau-Wohnung nieder gelassen und beschlossen: Egal was jetzt kommt, egal was in den nächsten zwei, fünf oder zehn Jahren passiert: Hier mach ich es mir gemütlich, das hier wird ein richtiges Zu Hause, unser richtiges Zu Hause. Immer hatte ich Angst, zu viel zu machen, zu sesshaft zu werden, weil ich nicht wusste, was kommt und ob mich das Aufgeben der aktuellen Wohnung nicht zu viel kosten würde: Zu viel Geld, zu viel Arbeit, zu viel Schmerz, Dingen Lebewohl zu sagen, die mir in dieser Wohnung wichtig geworden waren. Den Höhepunkt dieser Angst und dieses Schmerzes erlebte ich 2012, als ich ein Jahr lang in einer traumhaften Wohnung wohnte, von der ich gleich zu Beginn dieses Jahres wusste, dass es niemals mein Zu Hause werden würde. Und so habe ich in dieser Wohnung nichts gemacht: Die Wände waren nicht oder nur teilweise tapeziert, die Zimmer nur mit dem Allernötigsten eingerichtet, das meiste meines Besitzes lagerte die ganze Zeit in Umzugskartons und wurde nie ausgepackt. Es war eine wunderschöne Wohnung in einer noch schöneren Nachbarschaft und dort fand ich die wohl beste Freundin, die man sich vorstellen kann, aber mir war von Anfang an klar, dass ich daran nicht festhalten darf, weil es nicht so bleiben würde.

Aber nun zurück zum eigentlichen Grund dieses Eintrages: Das Küche als Herzstück von „Zu Hause“.

Als ich hier eingezogen bin, gab es zwei hässliche Hängeschränke, einen Spülenschrank, einen Gasherd und eine Arbeitsplatte. Kombiniert mit einem Flurgarderobenschrank, einer Schlafzimmerkommode, meinem heiß geliebten Esszimmertisch mit vier Stühlen, Kühlschrank, Waschmaschine und später endlich der lang ersehnten Spülmaschine, war das bis vor kurzem meine Küche.

Und es wäre wohl auch noch eine ganze Weile so geblieben, denn mal eben eine so große Einbauküche zu finanzieren, war einfach nicht drin. Doch dann passierte das Unglaubliche: Eine gute Freundin rief mich an und erzählte mir, dass ihre Nachbarin ins Altersheim ziehen würde und eine Küche zu verschenken hat. Und ob ich denn Interesse hätte. Natürlich hatte ich! Ein paar Tage später konnten wir die Küche auch schon abholen, und auch wenn ich erstmal absolutes Chaos in der ganzen Wohnung hatte, war ich der wohl glücklichste Mensch auf Erden, denn die Küche ist wirklich richtig schön.

Zuerst haben wir den hässlichen Raum unter der Arbeitsplatte mit dem Flurgarderobenschrank gefüllt. Die Katze musste mit ihrem Fressnapf umziehen, aber wir haben mittlerweile ein schönes Plätzchen im Flur gefunden, wo sie in Zukunft dinieren kann. Die Unterschränke hat mein bester Mann der Welt noch am selben Abend aufgestellt und ausgerichtet – ich war schon voll und ganz mit der Planung beschäftigt, was von meinem Kram in welchem Schrank landet.

Obwohl die Hängeschränke noch nicht hingen, hab ich mich dann schonmal eingerichtet. Bis wir die Schränke aufhängen konnten, hat es noch eine Weile gedauert. aber als sie dann endlich hingen, gab es nur noch einen Schritt zu tun: Die Lücke zwischen dem Flurgarderobenschrank und dem Herd musste weg, damit unter die Gastherme noch der letzte Unterschrank passt. Also wurde letztes Wochenende die alte Arbeitsplatte ein Stück gekürzt, der Herd ein Stück verschoben und der letzte Unterschrank platziert.

Ich gebe zu: Das ist nicht ganz die Küche, die ich mir vorgestellt habe, aber ich bin überglücklich, sie zu haben. So unglaublich viel Platz! Jetzt fehlt meiner Küche nur noch ein schöner Boden, ich hab auch schon einen ausgesucht, und sobald der drin ist werd ich euch auch von der letzten Etappe berichten.

<3

2 commenti su “So fühlt sich also „Zu Hause“ an

  1. Ranjit sagt:

    Hi Nadja,
    war schön dich u. Paula heute zu sehen…
    Kannst Du nicht unsere Küche auch wieder neu machen ? So schön wie deine ?
    LG, Ranjit

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