Warum ich bei change.org keine Petitionen mehr unterzeichne.

Diese Online-Petitionen sind ja ansich ’ne tolle Sache. Man kann seine Meinung kund tun, ohne wirklich etwas sagen zu müssen. Und wenn man doch etwas sagen will, dann kann man das auch tun.

Bei change.org geht das aber nur, wenn man auch unterzeichnet. Wenn man also der Meinung ist, den Leuten mitteilen zu müssen, warum man nicht unterzeichnen möchte oder eine Frage zum Thema hat oder einfach nur über das Thema diskutieren will, ohne sich tatsächlich an der Petition zu beteiligen, dann ist man da einfach mal aufgeschmissen.

Letztens hat irgendjemand auf Facebook so eine change.org-Petition gepostet. Da wird gefordert, dass die ZDFneo-Sendung „Auf der Flucht – Das Experiment“ abgesetzt werden soll, weil sie rassistisch und kolonialistisch sei.

Ich hab mir die erste Folge der Sendung angesehen, weil ich nichts unterschreiben wollte, von dem ich nicht selbst überzeugt bin. Und nachdem ich die Sendung gesehen hatte, wollte ich auch nicht unterschreiben, weil die Forderung der Petition absolut nichts mit meiner Meinung zu dieser Sendung gemeinsam hatte. Ich wollte mit den Unterzeichnern diskutieren, um sie besser verstehen zu können, um herauszufinden, was an der Sendung rassistisch oder kolonialistisch sein soll, aber das konnte ich nicht. Weil man eben nur einen Kommentar hinterlassen kann, wenn man unterzeichnet, und das wollte ich nicht, zumindest nicht, bevor ich nicht möglicherweise von den anderen Unterzeichnern davon überzeugt worden wäre. Irgendwie hat mich das tierisch genervt und ich will meine Meinung zu diesem Thema immernoch loswerden.

Ich hab mir die Sendung wie gesagt angesehen. Sechs Teilnehmer begeben sich auf die Spuren zweier Familien, die nach Deutschland geflüchtet sind.

Ich meine, ich will diese Sendung ja nicht schön reden. An einigen Stellen hab ich auch den Kopf geschüttelt. Aber so eine Sendung hält auch die Leute am Bildschirm, die sich normalerweise für solche Themen gar nicht erst interessieren würden. Sie klärt nicht vollständig auf, aber sie informiert und sensibilisiert. Und sie ist meiner Meinung nach nicht rassistisch, nur weil ein ehemaliges NPD-Mitglied und Nazi-Aussteiger da mitmachen oder auf Onkelz-Konzerten irgendwelche Idioten den rechten Arm heben. Und wie das mit dem kolonialistisch gemeint ist versteh ich eh nicht.

Vielleicht schaue ich mir die anderen Folgen noch an. Vielleicht auch nicht. Aber ich finde, absetzen muss man die Sendung nicht, nur weil wieder irgendwelche Leute der Meinung sind, die Rechte anderer schützen zu wollen, ohne zu wissen, ob sie das überhaupt möchten. Schließlich sind die Unterzeichner genauso wenig davon betroffen wie die Teilnehmer.

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