Wenn die Welt ein bisschen untergeht

Im März 2010 kam ich mit starken Bauchschmerzen ins Krankenhaus, die Diagnose war schnell gestellt: Blinddarmentzündung. Ich ließ mich also operieren. Der pathologische Befund nach der OP war dann eher nüchtern, der Blinddarm war eigentlich nur leicht entzündet, warum ich dennoch solche starken Schmerzen hatte wussten die Ärzte auch nicht. Nachdem die OP-Wunde abgeheilt war, fiel mir etwas auf: Die Schmerzen waren wieder da. Nicht immer ganz so heftig wie vor der OP, aber sie kamen immer wieder. Der erste Verdacht fiel nach einem Ultraschall auf die nach der OP in meiner Bauchhöhke verbliebene Luft – das würde sich mit der Zeit von selbst regulieren, hieß es. Tat es aber nicht. Es folgten weitere Ultraschalluntersuchungen von Magen, Darm und Eierstöcken, Bluttests und eine Darmspiegelung… und von allen Ärzten kamen unauffällige Befunde oder Befunde, die in absolut keinem Zusammenhang mit den Schmerzen standen und trotzdem beschissen waren. Also hörte ich auf, deswegen zum Arzt zu gehen, ließ mich hin und wieder wegen der Schmerzen krank schreiben und versuchte, irgendwie damit zu leben.

Da einer dieser trotzdem beschissenen Befunde eine Gebärmutterhals-Krebsvorstufe war, wurde ich erneut operiert und erzählte dem Zytologen von meinen anhaltenden Bauchschmerzen. Der hatte einen Verdacht: Vielleicht sind es ja die Nieren? Das wurde bisher nicht überprüft, und so entschloss ich mich, das nachholen zu lassen. Da wir mittlerweile schon nicht mehr in Neukölln wohnen, ging ich vor vier Wochen zu einer anderen Ärztin und schilderte ihr das Problem. Dort wurde ein umfangreicher Bluttest gemacht und am Mittwoch bekam ich die Ergebnisse.

Mein Gliadin-Wert, der bei unter 25 liegen sollte, liegt bei 57,5. Gliadin ist ein Antigen, das für Zöliakie verantwortlich ist. Auf deutsch heißt das: Ich bin allergisch gegen das Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreidearten vorkommt. Die Zöliakie hat bei mir außerdem noch einen Laktasemangel hervor gerufen: Ich bin nicht nur allergisch gegen Gluten, sondern auch noch laktoseintolerant.

Das bedeutet, ich darf kaum Getreidesorten zu mir nehmen und auch keine Milchprodukte. Wenn ich diese Allergien loswerden will, muss ich strenge Diät halten. Kein Brot mehr. Keine Kekse. Keinen Kuchen. Keine Nudeln. Käse. Müsli. Panierte Schnitzel. Kakao. Burger. Hot Dogs. Pizza. Salate mit Sahnedressing. Sahnesaucen. Eierkuchen. Alle meine Lieblingsgerichte sind plötzlich von meinem Speiseplan gestrichen. Es sei denn, ich steige auf die Ersatzprodukte um.

Einkauf für 3 Tage. In Summe 23,15€, ohne die ganzen Ersatzprodukte wäre ich wohl bei etwa 15€ gelandet...Glutenfreie Nudeln gibt es zum Glück schon für einen relativ humanen Preis im Supermarkt. Nicht aber Brot: Neun dünne Scheiben kosten da mal schnell 3,20€. Ein Kilo Mehl, das als normales Weizenmehl 35 Cent kostet, kostet als glutenfreie Variante 3,85€, also mehr als zehn mal so viel. Die Würstchen im Glas, die Paula und ich uns so gerne in unsere heiß geliebten Nudeln mit Würstchen schnippeln, enthalten Milchzucker. Genauso wie die Tomatensauce aus der Fertigpackung. Also muss ich das irgendwie gluten- und laktosefrei nachkochen – mit einem Becher Sahne, der über einen Euro kostet, und Nudeln, die statt 39 Cent 1,49€ kosten. Das ganze wird arschteuer. Und ich hab da so keine Lust drauf. Das erste selbst gebackene Brot! Nicht ganz so teuer wie selbst gekauftes, kostet aber trotzdem so um die 4€. Mein Brot habe ich mir dann „einfach“ selbst gebacken, mit dem teuren Mehl und ganz viel laktosefreiem Joghurt. Es sieht zwar wunderschön aus, aber leider schmeckt es total bitter und ist irgendwie „quietschig“, also feucht von innen, eher wie Zitronenkuchen statt Brot. Nur ohne Zitrone. Meine Laune jedenfalls ist grad zum Kotzen. Meine Welt ist diese Woche ein kleines bisschen untergegangen.

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