Wer ich bin und wer ich wäre, wäre ich nicht die, die ich bin

Parque Güell

Ich denke oft darüber nach, was ich für ein Mensch sein möchte. Meistens merke ich dann, wie weit ich eigentlich davon entfernt bin, die zu sein, die ich gern wäre. Dann bin ich deprimiert und traurig, habe das Gefühl nichts dafür zu können und nicht die Kraft zu haben, etwas daran zu ändern.

Ich wäre gern gesund. Ein Mensch, der seine Rechnungen pünktlich bezahlt und seine Anträge rechtzeitig einreicht.  Jemand, der seinem Kind jeden Wunsch von den Lippen abliest, es zu einem guten Menschen erzieht und dabei noch die ewig beste Freundin bleibt. Eine Person, die es verdient, geliebt zu werden, nicht nur für das was sie tut, sondern auch für das, was sie ist.

Ich würde gern jeden Tag sagen können: Mein Leben ist schön! Aber das ist es nicht. Es ist nicht so, wie ich es gern hätte. Ich bin alles andere als gesund, jeden Morgen stehe ich auf und nehme Tabletten, um die Schmerzen und die Übelkeit zu stillen, ich benutze Cremes und Salben, um meine Haut zu beruhigen, ich sitze mindestens einmal in der Woche im Wartezimmer irgendeiner Arztpraxis, ich muss zu Spezialisten, die nicht wissen, wie sie mir helfen sollen. Ich habe einen Job, von dem ich aber nicht leben kann. Meiner Tochter bin ich manchmal gezwungenermaßen nicht im Geringsten eine gute Freundin. Und Menschen, die mich bedingungslos lieben sollten, geben mir das Gefühl, wertlos und unfähig zu sein. Das Leben ist nicht fair. Das weiß ich.

Knie's Kinderzoo

Ich weiß nicht, woher es kommt, aber seit einigen Tagen, vielleicht auch schon Wochen, durchflutet mich ein bisher unbekanntes Gefühl. Obwohl die Zukunft noch so einige Prüfungen für mich bereit hält, die mich ängstigen sollten, gehe ich aufrecht und gelassen einfach weiter. Dieser Job, von dem ich nicht leben kann, macht mir unheimlich viel Spaß. Für meine Tochter bin ich trotz aller Strenge und Regeln die beste Mama der Welt. Mein Freund trägt mich auf Händen und liebt mich einfach nur, weil ich es bin. Obwohl das letzte Jahr mit einem für mich sehr grässlichen Ereignis zu Ende ging, bin ich plötzlich der größte Optimist, Dinge, die ich früher nur aufgeschoben und auf den letzten Drücker erledigt habe, wenn überhaupt, gehen mir nun von der Hand als hätte ich es niemals anders gemacht. Ziele, die ich mir gesetzt habe, scheinen ganz plötzlich nicht mehr so unerreichbar zu sein, so als wäre eine Mauer einfach umgefallen.

Ich weiß nicht, woher es kommt, aber ich genieße dieses Gefühl, denn es hilft mir dabei, die zu sein, die ich sein möchte: Ich.

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